Sol Niger

Dunkle Nacht der Seele

Die Bilder in der Serie „Sol Niger“ sind in nächtlichen Streifzügen durch Paris entstanden, aber sie dienen nicht dem Zweck, einen Bildband über diese Stadt zu entwerfen. Marco Spinner schafft mit seinen Fotografien keine Dokumente eines realen Ortes. Er kreiert mit seiner Bildsequenz vielmehr eine möglichst vielschichtige Konstruktion eines imaginären Raums, in dem das Zusammenwirken von Symbolen, Zeichen, Objekten, Architektur und Bildern von Menschen ein eigenwilliges Spiel betreiben, das sich der logischen Interpretation entzieht. Es entsteht eine Irritation, weil die normalen Erklärungsmuster, die unsere Vorstellung der Welt absichern, nicht greifen.

Genau das ist die Absicht des Autors. William Egglestone bündelte seine fotografische Intention in dem Satz „I am at war with the obvious“. Diese Erkenntnis  könnte auch für Marco Spinner gelten. Ihm ist bewusst, dass er das Offensichtliche vermeiden muss um das Unbeschreibliche sichtbar machen zu können. Seine düsteren Visionen entführen uns in die „Dunkle Nacht der Seele“ und beschließt ein langes Kapitel in seinem Leben, das von tiefen Qualen begleitet war. Biografische Erklärungen werden aber bewusst ausgespart. Es geht ihm nicht um eine larmoyante Selbstbespiegelung, vielmehr lässt er sich ein auf einen offenen, intuitiven Prozess, im Dialog mit der Außenwelt Bilder zu finden, die seinem emotionalen Zustand Ausdruck verleihen. – Wolfgang Zurborn